Gastbeitrag: Wuppertaler SV vs VfR Krefeld-Fischeln (17.04.2016)

  • Oberliga Niederrhein
  • Ground: Stadion am Zoo
  • Zuschauer: 2505
  • Kapazität: 23.067 Plätze
  • Ergebnis: 2:0

 

Es war spielfreies Wochenende und die Gelegenheit wollte ich nutzen um meinen Vater in seinem neuen Zuhause in Wuppertal zu besuchen. Die Schicht, für die ich am Samstag eingeteilt war, konnte ich loswerden und so ging es am Freitagmittag für elf Euro mit dem Fernbus nach Düsseldorf, wo ich mit dem Auto abgeholt wurde. Wie der Zufall es wollte, hatte der WSV an diesem Sonntag ein Heimspiel, also wurde der für den Tag geplante Ausflug zur Oma auf Samstag vorverlegt und unserem Besuch im Stadion am Zoo stand somit nichts mehr im Weg.

Während es für mich das erste Mal sein sollte, war mein Vater das letzte Mal vor über 40 Jahren dort. Der Sportverein gewann damals in seiner letzten Erstligasaison 3:1 gegen Bayern München. Heute hieß der Gegner Krefeld-Fischeln und im Gegensatz zu damals hat nach dem Spiel niemand versucht den Mannschaftsbus umzuschmeißen während alle anderen „Hautse, Hautse, Hautse auf die Schnauze“ rufen.

Genau wie bei meinem letzten Mal Hoppen in Westdeutschland hatte wieder jemand Karten zu verschenken und so konnten wir uns die 22 Euro, die wir für zwei Sitzplatzkarten bezahlt hätten, sparen. Ermäßigt hätte man neun Euro pro Karte bezahlt, aber laut Schild gilt das nur für Schwerbehinderte ab 50% Behinderung und nicht für gemeine Studenten.

Den Eingang ließen wir hinter uns ohne von den Ordnern abgetastet zu werden und nachdem wir erstmal ein bisschen hilflos umherirrten, fanden wir den Weg zu unserem Abschnitt der Tribüne. An der Treppe dort war zwar auch nochmal ein Ordner platziert, aber der war nicht großartig daran interessiert unsere Tickets zu überprüfen und die Tribüne war ungefähr zu einem Drittel gefüllt.

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Nachdem wir uns mit Bier (drei Euro, ein Euro Pfand) und Bratwurst (2,50 Euro) versorgt hatten, saßen wir etwa zehn Minuten vor Anpfiff auf unseren Plätzen etwas rechts der Mittellinie mit bester Sicht auf Spielfeld und Fanszene, welche hinter dem Tor auf der Nordseite des Stadions steht. Der komplett leere Block aus Beton auf der Südseite war etwas komisch anzusehen, aber ansonsten fühlte ich mich doch sehr wohl im Stadion direkt zwischen Wupper auf der einen und Zoo auf der anderen Seite. Meine Begleitung verlor noch ein paar lobende Worte über das alkoholfreie Bitburger, das er sich gekauft hatte und dann ging es auch schon los.

Mit zwölf Punkten Vorsprung auf den zweiten Platz ging es für Wuppertal heute leider ohne Choreo gegen den Tabellenzehnten in die Partie. Bei den vielen Punkten Vorsprung hatte ich ja eigentlich gehofft, dass wir ein paar mehr Tore zu sehen bekommen würden, aber das Spiel war dann doch ziemlich ausgeglichen. Wuppertal hatte zwar durchaus etwas mehr Ballbesitz, doch die grün-weißen Krefelder hatten trotzdem mehr als genug Chancen und gerade gegen Ende hätte statt dem 2:0 auch gut das 1:1 fallen können. Bevor in der 37. Minute das erste Tor mit dem Kopf erzielt wurde, wunderten wir uns zunächst über einen Spieler, der zweimal hintereinander genau die gleiche Ecke ausführte indem er versuchte den Ball flach in den Strafraum zu schießen, was natürlich nicht klappte. Beide Male ging der Ball direkt auf einen Krefelder, der ohne Probleme klären konnte. Ein drittes Mal hat er es dann nicht versucht.

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Zur Halbzeit verließen wir nach kurzer Debatte die überdachte Tribüne und stellten uns schräg oberhalb des singenden Publikums in die Sonne. Wellenbrecher gab es fast so viele wie Zuschauer und so hatten wir keine Probleme einen zu finden, an den wir uns lehnen konnten. Wie schon erwähnt machte Wuppertal in der zweiten Hälfte nicht den Eindruck als hätten sie in der Pause Kraft getankt, weshalb wir immer mehr einen Ausgleich erwarteten. Der Tiefpunkt dieser Spielphase, die immer mehr Zuschauer in den Meckermodus verfallen ließ, war sicherlich als der Wuppertaler Torwart auf der Flucht vor einem Krefelder ausrutschte und den Ball gerade noch so ins Aus hauen konnte. Die Ultras gaben aber nicht auf und ihr Vorsänger stimmte mit der hässlichsten Stimme, die ich je gehört habe, einen Oldschoolhit an, der zwar nicht durch inklusive Formulierung, aber durch seine catchy Melodie überzeugen konnte: „Ob vom Ölberg, ob vom Loh, ob vom Dönberg oder Zoo, Ob Barmen oder Elberfeld, dat is egal, wir sind allesamt die Jongens ausm Tal“ (oder so ähnlich). Ganz kurz vor Schluss wurden sie dann belohnt als in der 92. Minute wieder per Kopf das zweite Tor fiel.

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Beim Rausgehen fielen dann noch die pinken Schals am Fanartikelstand unangenehm auf und nachdem wir das Werbeposter für die anstehende Schifffahrt studiert hatten, gingen wir zurück zum Auto. Auf dem Weg nach Hause wunderte sich mein Vater: „War doch gar nicht so asozial.“

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