Braunschweiger Nazis verteidigen die Fanszene der Eintracht

In der letzten Zeit ist viel gesagt und geschrieben worden über die erschienene Broschüre kurvenlage, die sich inhaltlich mit dem thematischen Schwerpunkt Neonazis, rechte Fans und die Eintracht Braunschweig beschäftigt. Während der Verein und diverse vermeintlich unpolitische Fans sich darüber beschwerten, dass Extremist_innen [sic!] das Stadion für linke Politik missbrauchen würden, mischen mittlerweile nun auch waschechte Nazis in der Debatte um die erschienene Broschüre mit. Bei besagten Nazis handelt es sich um die sogenannte Burschenschaft Thormania, die in Braunschweig gut bekannt sein dürfte. Der Name stiftet in diesem Zusammenhang leicht Verwirrung, da es sich bei der Thormania nicht um eine traditionelle Burschenschaft handelt, sondern um eine gewöhnliche Nazikameradschaft, die unter anderem zu Naziaufmärschen und Sonnenwendfeiern mobilisiert, auf ihrer Internetpräsenz Honigmet und Kondome als „Kapuzen für den besten Kameraden“ anbietet und mit diversen neonazistischen Gruppen aus der Region vernetzt ist. Publikative.org veröffentlichte bereits im Jahr 2009 einen Artikel, der damals schon auf die Aktivitäten der Kameradschaft aufmerksam gemacht hat.

Die Stellungnahme der Thormania zur kurvenlage ist kaum zu übertreffen an einem Mangel inhaltlicher Auseinandersetzung mit den Vorwürfen der Rechercheergebnisse und gespickt mit Rechtschreibfehlern. Dennoch oder gerade deshalb ist sie bezeichnend für den Zustand der Fankultur in Braunschweig. Wo glasklare Nazis der Meinung sind, „ihren Verein“ verteidigen zu müssen, zeigt sich das eigentliche Problem der Eintracht: Nazis halten zu ihr, komme was wolle. Da sie sich in keiner Weise abgelehnt fühlen von Seiten des Vereins, sind sie ihrem Empfinden nach auch in der Lage überhaupt für die Position der Braunschweiger Fanszene einzutreten. Da wird dann mal ganz leicht Relativismus betrieben, indem den Akteur_innen der Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen vorgeworfen wird, sie würden „mit Nazimethoden versuchen, die komplette Fankultur der Braunschweiger Eintracht zu denunzieren und als Rechtsradikale darzustellen„. Des weiteren wird sich darüber empört, dass die Leute im Stadion tatsächlich mit ihren Inhalten provozieren wollten. Es gehe den Linken also gar nicht darum, im Stadion auf Missstände aufmerksam zu machen, sondern sie wollen, so Thormania, scheinbar nur Unruhe stiften mittels provokanten Transparenten mit der Botschaft: „Wir sind hier zum Provozieren“. Es seien also schlichtweg eben jene Leute, die „Extremismus und Politik“ [sic!] ins Stadion tragen. In dem Text der Nazis findet sich nicht die geringste inhaltliche Auseinandersetzung mit der veröffentlichen Broschüre. Lapidar heißt es nur in einem Satz:

In der Broschüre geht es um alles, nur nicht um Fußball und dessen Fans.

Das war es. Wie nicht anders zu erwarten war, werden mittels der Denunziation die Ergebnisse der kuvenlage komplett verworfen. Mit fast grandioser Logik und einer rhetorischen Frage wird versucht eine vermeintlich legitime Meinung, mit der aber nichts weiter als neonazistische Ideologie gemeint ist, im Stadion zu rechtfertigen:

So werden die meisten Personen auf Feiern, im Urlaub oder in anderen Freizeitaktivitäten gezeigt aber nicht im und um den Stadion. Und das der ein oder andere, eine andere Meinung hat als sie selber, aber gern zur Eintracht geht kann nicht das verbrechen sein. So wird auch ein Mafiosis eine lieblings Mannschaft haben, sind dann alle anderen Fans dessen Vereins auch Mafiosis?!? [Rechtschreibfehler im Original; Esra]

Zu guter Letzt fällt der Thormania auch nichts weiteres ein als eine schroffe Alibifloskel, die nur allzu gerne reflexartig ausgesprochen wird, wenn es um Nazis im Stadion geht:

abschließend  bleibt nur zu Sagen ” Fußball bleibt Fußball und Politik bleibt Politik” [Rechtschreibfehler im Original; Esra]

Im Prinzip war diese Stellungnahme ein weiteres Alarmsignal für die vermeintlich unpolitische Fanszene. Denn wenn die Braunschweiger Eintracht letztendlich von einer neonazistischen Kameradschaft verteidigt werden muss, hat dieser Verein wohl wirklich ernsthafte Probleme mit Nazis, die zur Kenntnis genommen werden müssten.

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Anmerkung: Aus Sicherheitsgründen wird der Artikel der Burschenschaft Thormania hier nicht verlinkt. Wer ihn dennoch im Original und in voller Länge lesen möchte, wird im Internet auf der Seite der Nazis fündig.

 

 

 

3 Gedanken zu „Braunschweiger Nazis verteidigen die Fanszene der Eintracht“

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