Vorsänger der Braunschweiger Südkurve meldet sich im Interview mit 11Freunde zu Wort

Während die skandalöse Augenwischerei seitens der Vereinsleitung in Bezug auf das offensichtliche Naziproblem bei der Eintracht in den letzten Tagen für Furore sorgte, zeigt auch nun eine (nicht unbedeutende) Stimme der Braunschweiger Fanszene, Thilo Götz, wie im Stadion ein unkritisch-tolerierender Umgang mit Nazis gepflegt wird. Der Grundtenor der Aussagen, die in dem Interview gemacht wurden, schließt sich in bekannter Manier an die Reaktionen an, die im Zuge der Veröffentlichung der „kurvenlage“ im Netz getätigt wurden. Unter anderem heißt es in dem Interview:

Einige Ordner stehen in der Kritik, mit einer Gruppe wie den »Alten Kameraden« zu sympathisieren. Was ist da dran?
Die »Alten Kameraden« ist ein Fanklub, den es seit 1981 gibt. Es stimmt, dass es Rechte in dieser Gruppe gibt. Mein Bauch sagt mir aber: Solange diese Leute niemandem etwas tun und keine politische Werbung im Stadion machen, dann ist mir das egal. Und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine. Im Gegenteil. Der Grundtenor der Fans ist: »Die tun uns nichts, dann ist das doch okay.« (via)

Mit anderen Worten: Neonazis werden im Stadion toleriert. Solange sie keinen Stress verursachen, sei doch alles soweit in Ordnung. Und eigentlich störe man sich vor allem an den Unruhestifter_innen von den Ultras Braunschweig. Die seien das eigentliche Problem, denn die würden ja immerhin das Stadion schlichtweg als „politische Plattform“ missbrauchen wollen. Scheinbar können dann auch mal Tatsachen unter den Tisch gekehrt werden, wie z.B. das gewaltsame Vorgehen von rechten Fans gegen antifaschistisch Engagierte beim Spiel gegen Bochum am vergangenen Samstag. Dass also Rechte bei der Eintracht munter mitmischen, wenn es darum geht andere Leute aufzumischen – die durchaus ein Problem mit Nazis haben und das auch artikulieren – kann mittlerweile selbst aus der vermeintlich „unpolitischen“ Fanszene heraus nicht mehr bestritten werden. Weitere Zugeständnisse an den Zumutungen der Stadionkultur in Braunschweig lassen sich durch die Aussagen von Thilo Götz wie folgt festhalten:

1. Die Fanszene in Braunschweig besitzt ein aggressives Potenzial, das in der Lage ist, sich in physischer Gewalt & Morddrohungen gegen die Ultras Braunschweig (und andere kritische Stimmen im Stadion) auszudrücken (vgl. im Interview: Auswärtsspiel bei Union Berlin / Heimspiel gegen Bochum)

2. Die Ergebnisse der Broschüre „kurvenlage“ liefern soweit eine größtenteils richtige Berichterstattung über rechte Gewalttaten im Umfeld der Eintracht. (vgl. im Interview: Angriff der Kategorie Braunschweig auf Antifas vor einer Diskothek)

3. Rechte Gruppierungen im Stadion werden toleriert, solange sie nach Eigeneinschätzung keinen Ärger veranstalten. (vgl. im Interview: Aussagen über „Alte Kameraden“, „Nord Power Dogs“ und „Fette Schweine / Hungerhaken“)

4. Im Stadion ist die Marke „Thor Steinar“ durchaus präsent, wenn auch nur in Einzelfällen. In der Vergangenheit ist es dazu gekommen, dass auch Ordner_innen mit dieser Kleidung anwesend gewesen sind. (vgl. im Interview: Thor Steinar)

5. Dass die Eintracht ein Problem mit Nazis habe, wird nicht direkt zugegeben. Stattdessen wird auf schlimmere Zeiten (1980er Jahre) und auf den gestörten Frieden, den nun die Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen verursacht habe, verwiesen. Statt sich inhaltlich auf eine Diskussion einzulassen, stört man sich lieber an einer vermeintlichen Ablenkung vom sportlichen Erfolg der Mannschaft. (vgl. im Interview: Schlusswort und letzte Sätze)

Zu dieser stichpunktartigen Auswertung des Interviews sei unseren Leser_innen auch noch ein Artikel des Spiegel Online ans Herz gelegt.

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