Kritik am Verhalten von Eintracht Braunschweig im Zuge der Broschüre „kurvenlage“

Momentan bemüht sich die Eintracht scheinbar eher schlecht als recht um ihr Image als nazifreier Verein, der sich dennoch erfolgreich im Kampf gegen Rassismus darstellen will. Nachdem es bei dem Spiel gegen Bochum letzten Samstag zu einem durch die Sicherheitskräfte verhinderten Angriff gewaltbereiter Eintracht-Fans auf die Antifaschist_innen der Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen sowie auf die Ultras Braunschweig kam (die Braunschweiger Zeitung berichtete), distanzierte sich die Eintracht in einer offiziellen Stellungnahme von „jedweder Form von Rassismus und Extremismus im Stadion“. Dass dabei in der Tat konsequent gegen Extremist_innen [sic!] vorgegangen wird, hat die Eintracht nun bewiesen:

Es gab, wie bereits geschildert, einen Angriff auf engagierte Fans, die im Stadion auf die akute Problematik neonazistischer Präsenz hinweisen wollte, indem sie ein Transparent mit der Aufschrift „Keine Eintracht mit Nazis“ während des Spiels zeigten. Dadurch wiederum und durch die bloße Präsenz eben jener Fans zeigten sich dutzende von gewaltbereiten und augenscheinlich rechten Besucher_innen des Spiels so provoziert, dass sie versuchten eben jene Fans anzugreifen und nur durch das Eingreifen der Polizei gestoppt werden konnten. Damit es nicht zu weiteren Angriffen kommen konnte, wurden die antifaschistischen Fans mit Bussen in einen anderen Stadtteil verfrachtet.

Wie verhält sich die Eintracht zu dem Vorfall? Statt das Engagement von Menschen zu würdigen, die sich auch innerhalb des Stadions unter Gefahr ihres eigenen Wohlergehens gegen Nazis einsetzen, denunziert sie eben jene Leute als „Extremist_innen“, von denen man sich konsequenterweise distanzieren müsse. Dass im und vor dem Stadion eine Atmosphäre des Hasses und der Gewalt aggressiver Rechter herrschte, wird gar nicht erst thematisiert oder eingestanden. Die konkrete Gefahr von gewalttätigen Ausschreitungen wie am letzten Samstag, bei denen Eintracht-Fans Angst um ihre eigene Haut haben müssen, sollte aber genau zu der Einsicht verleiten, dass der Verein noch immer ein schwerwiegendes Problem mit rechter Gewalt hat. Reflexhaft werden die durchaus fundiert und stichhaltig dokumentierten Ergebnisse der „kurvenlage“ damit abgetan, „dass man durch einen engen Austausch und eine außerordentlich gute Zusammenarbeit zwischen dem Verein, dem Fanrat, dem Fanprojekt Braunschweig und allen relevanten regionalen und nationalen Behörden auch innerhalb der Fanszene eine hohe Sensibilität gegenüber Rassismus und Extremismus entwickelt habe.“ – so sinngemäß in der Stellungnahme.

Wäre dies tatsächlich der Fall, so müssten doch eben jene und oben genannte Gruppen ein kritisches Augenmerk auf die rassistischen (und neonazistischen) Vorfälle im Zusammenhang mit rechten Eintracht-Fans haben und nicht in komplett naiver Weise die Ergebnisse der Broschüre übergehen. Leider ist aber das Gegenteil der Fall: Eine Verurteilung eben jener Autor_innen und engagierter Antifaschist_innen als Menschen, die nun vom Verein als „extremistisch“ abgestempelt werden und denen der Vorwurf gemacht wird, sie wollen das Stadion als „politische Plattform“ missbrauchen.

In der Online-Zeitung „braunschweig-spiegel“ nahm die DGB-Jugend Braunschweig Stellung zu dem Verhalten der Eintracht:

„Hier wird von Seiten des Vereins eine perfide Umkehr des Problems betrieben. Wenn friedliche Fans mit einem Transparent, das eigentlich eine Selbstverständlichkeit ausdrückt, von rechten Hooligans bedroht werden, hat das nichts damit zu tun, dass das Stadion als „politische Plattform missbraucht“ oder linksradikale Politik ins Stadion getragen würde“, sagen die Aktiven der DGB-Jugend Braunschweig. „Hier werden eindeutig die falschen Leute kriminalisiert und das Problem der rechten Strukturen unter den Fußballfans, das in der Publikation „kurvenlage“ beschrieben wird, schlicht verdrängt. Wir fordern den Verein auf, sich mit den betroffenen rechter Gewalt zu solidarisieren und konsequent gegen rechte Strukturen vorzugehen.“ (via)

 

Nachtrag (10.10.2012):

Die Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen hat inzwischen eine Pressemitteilung verfasst, in der sie in einer eigenen Darstellung von den Ereignissen im Zuge des Spiels gegen Bochum berichtet und übt scharfe Kritik am Verhalten der Eintracht. Zudem nehmen die Ultras Braunschweig in einem ihrerseits verfassten Text Stellung zu den Geschehnissen im Stadion.

Zu guter Letzt  möchten wir noch auf ein Interview hinweisen, das Jan Tölva mit den Ultras Braunschweig geführt hat. Eine Linksammlung zu Texten, die sich mit der Eintracht und dem Problem rechter Gewalt befassen, findet sich auf der Seite des Informationsblogs recherche38.

 

 

4 Gedanken zu „Kritik am Verhalten von Eintracht Braunschweig im Zuge der Broschüre „kurvenlage““

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